Reisebericht Enniger hilft Kindern 2007

"Tue Gutes und Sprich darüber!"
Freitag 27. April 2007


Der 9. Hilfsgütertransport Enniger-Rumänien startete gemäß langer Tradition pünktlich um 17.00 Uhr auf der Mauritiusstrasse. Unter der navigierenden Leitung des Wohnmobils „Nasenbär“ genannt, gab der Ehrenvorsitzende der Schützenbruderschaft Rudolf Fissahn das hupende Startsignal. Der Tross, bestehend aus weiteren vier Lastkraftwagen mit den internen Namen "Kuno“, „Willi“, „Lotti“ und „Bosch“, fuhr von verwandten und vielen interessierten und mitfiebernden Bürgerinnen und Bürgern des Dorfes verabschiedet Richtung Autobahn.
Wie schön, dass so viele bis zum Ortsausgang winkend und grüßend, zum Teil sogar mit Plakaten und Taschentüchern bewaffnet, am Straßenrand standen. Nachdem die Abfahrt reibungslos klappte,
gab es dann aber schon früh auf der A 44 erste Schwierigkeiten in Form einer Totalsperrung wegen Unfalls. Glücklicherweise kam unser Konvoi genau an einer Behelfsausfahrt zum Stehen. Viele Einheimische nahmen diese Ausfahrt als Fluchtweg vor dem Stundenstau. Uns kam diese Ausfahrt zunächst etwas spanisch vor. Nach intensiver Befragung unseres Navigationssystems erschien auch uns dieser Weg als Ausweg des frühen erzwungenen Aufenthalts. Nach Umwegen durch das nördliche Sauerland konnten wir dann nach einer Stunde auf der A44 unsere Fahrt fortsetzen. Da es keine weiteren Verzögerungen gab, kamen wir schließlich um 4.10 Uhr an der deutsch-österreichischen Grenze an.

Rumänien 2007

Samstag, 28. April 2007

Die Nacht führte uns zu einem wunderbaren Sonnenaufgang im Wienerwald. In den frühen Morgenstunden erstrahlte zu unserer rechten Schloss Schönbrunn in all seinem Glanz. Doch unser Weg ging weiter. Nach einer guten Frühstückspause kamen wir dann um 10.20 Uhr an der österreichisch-ungarischen Grenze an. Dort erwartete uns zunächst ein 5 km langer Rückstau. Unsere Befürchtung, dass dieser Stau uns mindestens einen halben Tag kosten würde, verflog schnell. Die Zollabfertigung geschah nur stichprobenartig und dank EU wurden wir schnell über die Grenze gewunken, so dass wir um sensationelle 10.55 Uhr bereits auf der ungarischen Autobahn Richtung Rumänien fahren konnten. Die Fahrt durch Ungarn verlief unspektakulär und ohne Zwischenfälle. Erstaunt waren wir jedoch von den offensichtlichen Veränderungen in Ungarn. Die Autobahnen waren in hervorragendem Zustand, Industrienansiedlungen und gepflegte Ortschaften ließen uns den Anstrengungen der letzten Jahre Respekt zollen. Um 17.15 Uhr kamen wir schließlich an der ungarisch-rumänischen Grenze an. Und hier erwartete uns die größte Überraschung. Schon im Vorfeld stieg unsere Spannung, wie sich wohl die Grenzabfertigung des neuen EU-Mitglieds gestalten würde. Erinnerungen an all die vergangenen Fahrten wurden wach. Wie schwierig erwies sich der Umgang mit den rumänischen Behörden. Abfertigungszeiten von 14 Stunden gehörten für uns fast schon zur Normalität. Bereits bei der letzten Fahrt vor zwei Jahren zeichnete sich eine deutliche Veränderung an. 2005 dauerten die Zollformalitäten lediglich drei Stunden. Wie also würde es also nun aussehen. Schon der optische Eindruck kündete von einschneidenden Entwicklungen: geschlossene Duty-Free Shops, neu gestrichene Gebäude, keine bettelnden Kinder und vor allem eine sagenhaft schnelle Abfertigung. Wir konnten es selber kaum fassen, als wir bereits um 17.55 Uhr! durch die Grenzstadt Naglac fuhren.
Unser Glück wurde mit einem ausgiebigen Abendessen gefeiert.

Rumänien 2007

Sonntag, 29. April 2007

Unsere weitere Fahrt führte uns über Deva, Sebes, Sibiu, Pitesti und die dann folgende Autobahn nach Bukarest. Dort irritierte uns aufs Neue die unglaublich schlechte und chaotische Beschilderung der Nord-Umgehung der rumänischen Hauptstadt. Trotz Karte und Navigation musste in einer unglaublich Durchfahrt eines Vorortes mit allen 4 LKW gewendet werden. Respekt unseren Fahrern! Weiter sollte unsere Fahrt über die Autobahn nach Constanza gehen. Nach Navigationssystem gab es die Autobahn noch gar nicht und wir fuhren folglich auf dem Bildschirm übers offene Feld. Nach Karte sollte die Autobahn bis Constanza ausgebaut sein, sie hörte allerdings gut 40 Kilometer vorher auf zu existieren.
So verzögerte sich unsere Ankunft in Tulcea auf 14.54 Uhr.
Der erste Eindruck war zwiespältig. Zum einen erstaunten uns die unglaublichen vielen Tankstellen westlichen Zuschnitts. Entsprechend konnten wir auch eine nicht unerhebliche Anzahl neuerer Automodelle auf den Strassen sehen. Eine ganze Reihe Häuser wurden neu gebaut oder zumindest renoviert. Und daneben standen auch weiter deutliche Zeichen großer Armut. Die soziale Schere geht in Rumänien augenscheinlich weit auseinander. Nach einem herzlichen Willkommen mit unseren rumänischen Partnern vor Ort haben wir dann noch unser Basis-Camp am Stadtrand aufgebaut.

Montag, 30. April 2007

Dieser erste Arbeitstag hatte gleich mehrere Anlaufstellen. Zunächst fuhren wir zum Forum, das ja eine kleine Lagerhalle in der Nähe besitzt. Hier haben wir die Hilfsgüter für die Stiftung Beatrix eingelagert. Diese verteilt dann die Pakete und Lebensmittel direkt in Tulcea an bedürftige Familien und Alleinstehende. Anschließend teilte sich unsere Gruppe. Der Großteil fuhr nach Malcoci, um dort die Hilfsgüter an bedürftige Menschen im Dorf direkt zu verteilen. Die kleinen Entwicklungen und Fortschritte hier freuen uns besonders, zählt doch Malcoci zu unseren kontinuierlich betreuten Orten. Die kleinere Gruppe versorgte Kinder- und Jugendheim in Tulcea, sowie das von uns ebenfalls regelmäßig aufgesuchte Behindertenheim. Neben der Begeisterung der Kinder, freute uns sehr, das gerade in diesem Bereich deutliche Fortschritte zu verzeichnen sind. Das Kinderheim hat sich zu einem kleinen Mutter-Kindheim weiter entwickelt. Soziale Nöte gerade junger Mütter werden aufgegriffen und – nach unserem Eindruck- zielorientiert durch unterschiedliche pädagogische Hilfestellungen gelindert. Der Tag war insgesamt recht anstrengend, haben wir doch an nur einem Tag die Hilfsgüter von zweieinhalb Transportern verteilt. Mit einem ausgiebigen und äußerst leckerem Abendessen wurden wir belohnt. Der eigentliche Lohn aber waren- wie schon in den vergangenen Jahren – die Augen der Kinder und so vieler Menschen. Zurzeit sitzen wir gemütlich zusammen und schreiben diesen Bericht.

Rumänien 2007

Rumänien 2007


Dienstag, 1. Mai 2007

Der Morgen begann mit der Einlösung einer sportlichen Wette zweier unserer sportivsten Rumänienfahrer. Horst Stickl und Tobias Uthmann joggten bereits um 7.00 Uhr um den Stadtsee von Tulcea. Aber natürlich waren sie nicht alleine: alle Teilnehmer versammelten sich mit einem Gefühl von bedingungsloser Bewunderung und amüsierter Verständnislosigkeit am Startpunkt, um den Wettkampf zu erleben. Beide Recken beeindruckten durch Disziplin und Standhaftigkeit. Das Ergebnis der morgendlichen Olympiade war ein faires Unentschieden nach Aufgabe in der zweiten Runde. Das famose Frühstück stärkte die ganze Mannschaft, bevor es um 10.00 Uhr zum Ausladen der Lebensmittel fürs Forum und für das Krankenhaus zum Lagerhaus ging. Dort wurden dann einige Tonnen an Grundnahrungsmitteln per Hand entladen. Anschließend fuhren wir weiter zu unserer zweiten großen Dorfverteilung nach Nufaru. Dort erwartete uns schon eine große Menschenmenge, die insgesamt sehr geordnet in die Verteilung ging. Während wir auf der Hinfahrt an einer in den letzten zwei Jahren neu gebauten Luxusvilla vorbeifuhren, hielt uns hier erneut die offensichtliche Armut vieler Dorfbewohner in Atem. Hierzu passt vielleicht auch eine erschütternde Beobachtung des Morgens: aus dem Müll unseres Basiscamps fischten sich zwei ältere Männer noch Dinge, die für sie von Wert waren – auch Lebensmittelabfälle. Wenn es hier keine Armut gäbe, würden wir solche Momente nicht erleben. In Nufaru konnten wir eine ganze Menge Menschen wirklich glücklich machen. Ein Beispiel sei genannt: ein kleiner Junge, der in den vergangenen zwei Jahren zuerst die Mutter und dann den Vater verloren hatte, bekam eines von unseren mitgebrachten Fahrrädern ( die übrigens bei den Kindern des Dorfes unglaublich begehrt waren). Die unbändige Freude dieses Jungen ging uns ans Herzen und zählt sicher zu den beglückendsten Augenblicken unserer Fahrt. Die Verteilung verlief ohne Komplikationen, war körperlich für uns aber sehr anstrengend. Stellt Euch vor, dass alle Kleiderpakete einzeln per Hand weitergereicht werden und dass die Lebensmittelpakete zu Hunderten auf dem LKW erst gepackt und dann weitergereicht werden müssen. Nach der Verteilung der Hilfsgüter wurden wir zu unser aller Überraschung zu einem herzlichen Imbiss von unseren rumänischen Partnern eingeladen. Miti, der in all den Jahren für die Sicherheit unseres Aufenthaltes gesorgt hat, hatte uns zu sich nach Hause eingeladen. Seine Mutter hatte das Essen vorbereitet und stolz stellte er uns seine Familie und sein Haus vor. Gerührt von der Gastfreundschaft und doch recht erschöpft vom Tag, traten wir schließlich die Rückfahrt nach Tulcea an. So sitzen wir nun um 20.45 Uhr im Basiscamp, warten darauf, dass ein weiteres vorzügliches Essen unseres Alle-Sterne-Koches auf dem Gaskocher heiß wird, genießen kühlen Gerstensaft, tauschen die Erlebnisse des Tages aus, pflegen die Gemeinschaft und denken natürlich oft an zu Hause.

Rumänien 2007

Rumänien 2007

Der t.

Rumänien 2007

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So in etwa wird die Routenführung der insgesamt fast 2.300 km langen Reise sein